Patronymikon, Oekelname, Ortsnamen auf –büll und -ing

 

Bis in das 19. Jahrhundert war es Sitte, den Sohn über den Namen des Vaters zu personifizieren: Das ist Hans, Peter sin Sön verkürzt: Hans Peters. Der Vorname des Vaters wurde eine Art Nachname. Dabei ist für Eiderstedt die einfache –S -Endung wichtig, und die Martens, Peters, Carstens und Tetens sind häufig; für den Norden von Nordfriesland herrschte die –sen-Endung vor. Dort sind es die Martensen, Jürgensen, Christiansen etc.

Aber nicht nur in Nordfriesland war diese Namensgebung üblich, auch in vielen anderen Ländern: So heißt Ivano-witsch, der Sohn von Ivan und das Arabische Ibn bedeutet Sohn von.

 

Nun kam in Eiderstedt noch eine Besonderheit hinzu: Der erste Sohn bekam den Namen des Großvaters väterlicherseits, der zweite den Vornamen des Großvaters mütterlicherseits. Daraus resultierte der Zustand, dass der Großvater und der Enkel den gleichen Namen hatten.

Großvater       Hans Peters

Sohn               Peter Hansen

Enkel              Hans Peters Er bekam den Zusatz: Junge Hans Peters, wenn beide noch lebten.

Die Mädchen wurden nur über den Vater definiert, später dann über den Ehemann.

 

1771

erlässt Christian VII die königliche Verordnung, die Geschlechternamen so einzuführen, dass „die Wahl den Eltern überlassen bleibt, aber in Zukunft nicht mehr geändert werden darf.“

1820

muss diese Verordnung erneuert werden, weil sie sicherlich nur mangelhaft befolgt wurde.

 

Oekelnamen

Ein Phänomen, das in unserer Zeit verloren geht, ist die Vergabe von Oekelnamen= Spitznamen. Durch die patronymische Namensgebung gab es viele Menschen mit dem gleichen Namen. Um diese zu unterscheiden, suchte man Unterscheidungsmerkmale. Diese fand man im Beruf, im Aussehen oder einer bestimmten Eigenart der Person. Fri Papp wurde von seinem namensgleichen Verwandten durch sein Pappdach unterschieden, Peter Post durch seinen Beruf und Boy Bibel als besonderer Bibelkenner.

 

Wahl der Geschlechternamen

Auswahl der Geschlechternamen folgte im Grunde das gleiche Prinzip. Nicht umsonst gibt es heute so viele Schmidts und Müllers, weil es den Beruf des Schmieds oder des Müllers nur einmal im Dorf gab und deshalb ein Unterscheidungsmerkmal war. Der Name Bauer war durch die große Anzahl der Bauern kein Unterscheidungsmerkmal.

 

Ortsnamen

In Eiderstedt fallen die vielen Ortsnamensendungen –ing und –büll auf.

Die Endung –büll geht auf dän –bØl zurück und bedeutet –Wohnort, Siedlung. Die Orte Tetenbüll = Siedlung des Tete; Kotzenbüll =Siedlung/Wohnort des Kotze (Patriarch).

 

Die Endung – ing ist eine spätere angefügte Endung, als die hochdeutsche Sprache sich langsam durchsetzte, denn die plattdeutschen Namen endeten auf -en : Orden (Ording); Garrn (Garding); Tönn (Tönning); Katen (Kating).

Claus Heitmann /AGO