Der 13. Mai 1045


Am 8. Mai 1945 war Kriegsende in Schleswig-Holstein, am 9. Mai wurde die bedingungslose Kapitulation Deutschlands im Radio verkündet. Eiderstedt sollte militärisches Konzentrationsgebiet werden. Die Nordarmee sollte in Eiderstedt und Norddithmarschen interniert werden, um von hier aus in Berufe und andere Lager transportiert zu werden. Um dies zu ermöglichen sollten „alle, die hier keine Gewerbe ausüben und sich über den normalen Stand der Bevölkerung in diesem Gebiet aufhalten“ dasselbe verlassen. Dies waren laut Anordnung alle weiblichen Personen zwischen 16 und 35 Jahren, wenn sie nicht Hebamme, Krankenschwester oder Ärzte waren.

 

Diese Anordnung wurde am 13. Mai 1945 mündlich und sofort verbreitet, denn die schriftliche Veröffentlichung geschah erst am 18. Mai 1945. Sammelpunkt für die jungen Frauen war das Sanatorium Felten. Dort wurden die Mädchen und jungen Frauen weinend auf Lastwagen gezwängt und über Brösum aus St. Peter evakuiert.

 

Die Angst war groß, dass sie nach Sibirien transportiert werden würden, denn Zeitungen hatten schon von den Gräueln im Osten berichtet. Aus dieser Angst nahmen sich drei Menschen das Leben. Es waren die Eltern einer Tochter von 27 Jahren. Sie erhängten sich in ihrem Haus und wurden am 16. Mai beerdigt.

 

Der Transport endete hinter den Grenzen der Landschaft Eiderstedt in Stapelholm, Hude oder Erfde. Dort wurden die Mädchen ausgeladen und dem jeweiligen Bürgermeister unterstellt, der sie unterzubringen hatte. Es gab keine weitere Beaufsichtigung durch die Besatzungsmacht.

 

Die Mädchen waren sich selbst überlassen und so versuchte jede schon bald einen Weg zu finden, um nach Hause zu kommen. Im Juli lockerte sich das Verbot, weil alle in der Landwirtschaft benötigt wurden. Im September waren alle jungen Frauen wieder zu Hause und am 6. Oktober 1945 wurde auch das Internierungsgebiet aufgelöst.

 

(Zusammenfassung aus dem Bericht von M. Oppel, Heft 10, S. 26-35) CH/AGO