Die Christianisierung Eiderstedts

 

Erste Bemühungen der Christianisierung im Gebiet der Eider.

 

Karl der Große (bis 814) einigte sich mit dem dänischen König Knut auf die Eider als Grenze des jeweiligen Machtbereiches. Er bemühte sich um die Christianisierung des Nordens. Die mit brutaler Gewalt erfolgte Christianisierung der Sachsen ist sprichwörtlich geworden. Unter ihm wurde 811 ein Kloster bei Itzehoe gegründet.

 

Sein Nachfolger, Ludwig der Fromme (bis 843), gründete das Kloster Corvey (822), und gründete 831 das Erzbistum Hamburg, das 840 zum Erzbistum Hamburg-Bremen umgewandelt wurde. Ansgar (801-865) gilt als der Missionar des Nordens, hatte allerdings nördlich der Eider keinen großen Erfolg. (845 vernichten die Wikinger Hamburg.) Erfolgreiche Missionierungen südlich der Eider waren dagegen Heiligenstedten, Schenefeld und Meldorf.

 

In den folgenden Jahren bemühte sich das Hamburger Erzbistum um die Mission im Norden und der Zuständigkeit für dieses Gebiet zwischen Eider und Pene. Dieses Bestreben führte zu einer Reihe von Urkunden, die (heute) als Fälschungen erkannt sind.

911/913


Papst Anastasius gibt dem Hamburger Erzbischof und seinen Nachfolgern das Pallium und die Mitra für die Mission nach Norden „a flumene pene usque ad fluvium egidore“ (SHRU 911/21)
 989 Papst Johann XV bestätigt dem Hamburger Erzbischof Liavizo dasselbe. (SHRU 989,30)
1047 Papst Clemens II bestätigt die Mission „usque ad fluvium pene et fluvium egidose“ (SHRU 1047,41)
1059 gleiche Bestätigung von Papst Leo IX (SHRU 1059, 42)


Erfolgreiche Bemühungen 1104, 1113, 1117

Zwischen 1075 und 1100 wird das Bemühen des Erzbistums Hamburg-Bremen um die Aufnahme des dänischen Königs “unter den Schutz des heiligen Petrus“ (SHRU 1075, 1078) erfolgreich, denn

1104




gratuliert Anselm, Erzbischof von Canterbury, dem Erzbischof ASTER von LUND, dass er im Reich

Dänemarks die religiöse Klugheit und die kluge Religion zum Erzbistum erhöht habe,

„qui in regno Danorum vestram religiosam prudentiam et prudentem religionem ad archiepiscopatum sublimavit“ (SHRU 1104,56)

1113


verlangt der Papst Paschalis II von den dänischen Bischöfen den Peterspfennig, Dadurch ist die

Zugehörigkeit zum Papst dokumentiert. (SHRU 1100/1113, 59)

1117




fordert der Papst Paschalis II, den König der Dänen auf, der Kirche und der Geistlichkkeit

Ehrerbietung und Gehorsam zu erweisen und dem römischen Stuhle Beistand zu erweisen. (SHRU 117,60)

In dieser Aufforderung spürt man schon die Hierarchie und die päpstliche Befehlsgewalt.




Um 1104 ist das Erzbistum LUND dokumentiert. Der Norden, also Dänemark/Schweden, ist christlich geworden. Zu diesem Bereich gehört auch Eiderstedt.

Die Gründung des Erzbistums LUND in Südschweden im Jahre 1104 ist das einzig urkundlich bestätigte Datum für die Kirchen in Eiderstedt und diese Zeitangabe ist auf die anderen Kirchen übertragen worden.


Bei Peter Sax (Sax II, 24) wird die Entwicklung mit leicht anderen Zahlen erzählt, aber die Zeitspanne ist die gleiche.

1096





Alß Albertus, natione Danus, von dem Aschero Episcopo Lundensi,, zu ein Bischoff zu Schleßwigh war

Confirmieret, und verordnet, hat unter ihm die Christl. Religion, in dem Herzogthumb Schleßwigh, und anderen angrentzenden Orten, alße in Eyderstedt, und Nordstrand gewaltig zugenommen, und seyn daselbst zu Gottes Ehren Kirchen gebauet, und nach der Apostolen, und andern verstorbenen Heil: Nahmen genennet worden, alße uns Dn:Brod (P.Sax II,26)

1103



in der fasten am Benedicten Tage ist gebawet, eine hölzerne Capelle bey Wittendüyn in die Ehre S.

Magni, auf Tade Eschels Land und wird nun die Kirche genennet Tating, und ist das erste Gotteshaus in diesem Spadenland. (Sax II, 26)

1109


Kirche auf dem Kleve bei Garsande (Sandwehle), die untergegangen ist und 1117 dann neu in

Garding errichtet worden ist.

1113 folgen Poppenbüll, Tetenbüll, Osterhever, Catharinenheerde, Welt und Vollerwiigh.


Schwierigkeiten der Christianisierung

Die Einwanderung von christlichen Friesen in Eiderstedt scheint mit Einwilligung einer christlich orientierten Obrigkeit in Dänemark geschehen zu sein. Sie ist belegt durch eine rege Siedlungstätigkeit : z.B.von Marschhufendörfern wie Rüxbüll und Uelvesbüll wie auch von einem forcierten Deichbau, beginnend mit der Eindeichung der Harde HOLM, dem Spadenland..

 

Die Christianisierung ist aber sicherlich nicht ohne Schwierigkeiten vor sich gegangen, denn

 

1113 schlugen die Boyenmänner ihren Kirchherren Harmen Lütke tot. Ihnen wurde deswegen ihr

Patronatsrecht1) genommen. (Chron. S. 15)

1187 bestätigt Absalom, Erzbischof von LUND, (SHRU 1187) dass der Zehnte aus den Utlanden an den Bischof von Schleswig gezahlt wird:

 

„In Utlandia in tribus navigiis iuxta Ederam, scilicet Tunningenhaeret, Getthinghaeret, Holmbo haeret totam decimam tamunam quam et aliam de omnibus plenarie solvere debeant” (In den drei Schiffen in der Nähe der Eider, natürlich Tönning, Garding und Holm pflegen sie sowohl der eine wie der andere von allen die volle Summe zu bezahlen“)

 

 Diese Urkunde ist die Quelle für das Eiderstedter Wappen mit den drei Schiffen und auch der Beweis, dass es sich um drei Harden = Verwaltungsbezirke gehandelt hat.

 

1198 kann Papst Innozenz III die Region nördlich der Eider die

   NOVELLA PLANTATIO FIDEI (die neue Pflanzstätte des Glaubens) nennen. (SHRU:1198,208)

 

 

18 Kirchen in Eiderstedt = Erfolg der Mission

Eiderstedt - und hier vor allem die Insel HOLM (Utholm) - war das erste Anlaufgebiet für die Einwanderer, denn hier bot die Nehrung einen idealen Siedlungsplatz. Ausgrabungen von 2011 haben auf der Nehrung von Wittendün in St. Peter Siedlungsspuren aus dem 4. und 5. Jahrhundert festgestellt. Die christlichen Einwanderer

kamen aus dem Gebiet des heutigen Groningen und brachten die friesische Sprache mit, die erst im 17. Jahrhundert durch die plattdeutsche Sprache abgelöst wurde. Sie landeten auf der sandigen Nehrung und bauten dort ihre ersten einfachen Kapellen.











Naves quibus adventi sunt, Frisii nostri Septentrionales

(Schiffe, mit denen unsere Nordfriesen angekommen sind) (P. Sax II, 288)

a)     St. Peter = die erste Kirche in Eiderstedt

In St. Peter = Name des Ortes (früher Ulstrup) und Name der Kirche stand sicherlich die erste Kapelle. Das Symbol des Schlüssels weist auf die Öffnung hin; Petrus gilt als das Fundament des Glaubens in Rom. Die Namen Maria für die Kapelle in Süderhöft und der Name St. Nikolaus, der Patron der Seefahrer sind weitere Hinweise. Ach der Name Wittendün in der Chronik deutet auf den ersten kirchlichen Standort St. Peter. Für die Tatinger Kirche erfolgt der Zusatz „im Spatenland“, d.h. diese Kirche wurde gabeut als die Insel Holm eingedeicht war.

 

b)    Asylstätten oder Freiberge

Nicht nur die Anzahl der Kirchen ist Beweis für eine intensiver Missionierung im Gebiet nördlich der Eider und besonders in Eiderstedt (Dreilanden), sondern auch die Freistätten, die Asylberge sind ein Beweis für intensive Christianisierung. Auf jeder Harde finden wir Hinweise auf Freistätten/Asylberge wie sie in der Bibel (Moses … ) vorgeschrieben sind. Die Harde Eiderstedt hatte einen Freiberg am Axendorfer Weg, neben der Garde des Stallers Fedderkens; die Harde Everschop hatte ihren Freiberg bei Sandwehle und die Harde Utholm hatte ihren Freiberg im Ortsteil Esing. Die neuen Einwanderer folgten des Hinweis in der Bibel:

 

5 Buch Moses, Vers 19 Wenn der Herr, dein Gott die Völker ausgerottet hat, der Land die der Herr, dein Gott, geben wird, dass du es einnimmst und ihren Städten und Häusern wohnst, sollst du dir drei Städte aussondern im Land, das dir der Herr, dein Gott, geben wird, es einzunehmen. Und du sollst den Weg dahin herrichten und das Gebiet deines Landes, daß dir der Herr, dein Gott, zu eigen geben wird, in drei Kreise teilen, damit dahin fliehen kann, wer einen Totschlag getan hat.

 

c)      Warum so viele Kirchen?

- Eiderstedt war patriarchalisch strukturiert, d.h. die Dörfer hatten einen Patriarchen, der der Siedlung den Namen gab und der das Oberhaupt des Geschlechtes, der Sippe war.

 

Die Sippen waren nicht immer befreundet und so schreibt die Chronik über eine große Fehde in Eiderstedt.

1161 gab es in diesen Landen ein großes Morden (Fehde) und eine Familie zog gegen die andere. (Chron. S. 17)

 

 

Jedes Geschlecht wollte seine eigene Kirche haben und erlaubte nicht der verfeindeten Familie diese Kirche zu betreten; Kirchen waren damals auch Versammlungsräume und Gerichtsplätze

- Die Weglosigkeit und der Inselcharakter durch den Verlauf der alten Priele war in einigen Fällen sicherlich auch der Grund, dass man eine eigene Kirche haben wollte.

- Charakter der friesischen Freiheit und Unabhängigkeit hat sicherlich auch dazu geführt, dass jedes Geschlecht sein eigenes Zentrum haben wollte.

 

 

Resümee

a) Die Gründung des Erzbistums LUND in Südschweden 1104 ist das einzige urkundlich belegte Datum für die Christianisierung nördlich der Eider.

Im Jahre 2013 feiern viele Kirchen in Eiderstedt ihr 900-jähriges Bestehen. Ihre Daten stammen aus „Chronicon eiderostadense vulgare 1103-1547“, das von seinem Urheber aber erst um 1460 aufgeschrieben worden ist. Es gibt keine Urkunde, die ein bestimmtes Gründungsdatum bestätigt. Urkundlich bestätigt ist nur die Gründung des Erzbistums LUND in Südschweden (SHRU 1104, 56). Von diesem Datum sind alle weiteren abgeleitet worden.

 

b) Nicht Tating, sondern St. Peter ist die erste Kirche in Eiderstedt.

St. Peter hieß früher Ulstrup. Die erste Kapelle in Ulstrup bekam den Namen St. Peter mit dem Symbol des Schlüssels. Der Schlüssel bedeutet Neubeginn, Neuanfang. Hier liegt der Beginn des Christentums in Eiderstedt. Ergänzt wird die Wichtigkeit durch die Häfen, wo die ankommenden Friesen mit ihren Schiffen landeten und deren Kapellen die Namen von wichtigen Heiligen bekamen: Sta. Maria und St. Nikolaus.

Tating ist die erste Kirche im Spadenland, d.h. in einem Gebiet, das durch einen Deich (mit dem Spaten) gesichert worden war und das ist die Harde Utholm.

 

c) Drei Freistätten oder Asylberge (Freiberge) bestätigen die erfolgreiche Missionierung, so dass Innozenz III 1198 von einer neuen Pflanzstätte des Glaubens = „novella plantatio fidei“ reden kann.

 

Claus Heitmann/ AGO

 

Benutzte Literatur:

Bantelmann, Kuschert, Panten, Steensen"Geschichte Nordfrieslands“ Heide 1995

Hasse, P. „Schleswig – Holstein – Lauenburg, Regesten u. Urkunden“ Leipzig 1886

Sax, P. „Werke zur Geschichte Nordfrieslands und Dithmarschens“ Bd. 2 St. Peter-

Ording, 1885

Jaspers,J. „Chronicon eiderostadense vulgare 1103-1547“ St. Peter-Ording 1977

Luther, M „Die Bibel“