Begründung zum Schutz charakteristischer Landschaftsräume

 

Die Landschaft Eiderstedt ist eine historische Kulturlandschaft.

 

 

Aus drei Inseln (eigentlich Harden = Verwaltungseinheiten) Utholm, Everschof/Eiderstedt und Hafrae ist 1489 eine Halbinsel entstanden, die geologische, siedlungsgeschichtliche und verwaltungstechnische Alleinstellungsmerkmale aufweist. Sie ist durch Menschenhand verändert worden.

 

1. Charakteristische Bodenformen sind durch die Auseinandersetzung mit dem Wasser entstanden:

 

Natürliche Bodengestaltung sind Nehrungen (Tholdendorf, Brösum bis Katharinenheerd, Wittendün, Süderhöft und Witzwort) und die neuen Dünen vor St. Peter-Ording. Dort waren die ersten Siedlungsplätze.

 

Künstliche Bodenformen folgten. Sie waren vom Menschen gestaltet und sind heute die Flachsiedlungen (Tofting, Elisenhof, Welt), die Warften, Warftenreihen und Marschhufendörfer (Uelvesbüll, Rüxbüll) und ca. 90 Köge mit einer Deichlänge von ca. 400 km und unterschiedlichen Deichformen. Als Wohn- oder Kirchplätze sind sie Beispiele für die Leistungen der Bewohner.

 

Geblieben sind die natürlichen Blockstrukturen (Priele/Gräben) der alten Insel Holm (Utholm) und von Menschenhand entstanden die Grüppeln, die Gräben, die Sielzüge und die Bootsfahrten. Hinter den Deichen liegen die Pütten oder Späthinge.

 

Die Sorge um Trinkwasser ist das dritte Wasserproblem der Landschaft Eiderstedt. Die Antwort der Bewohner sind die Trinkkuhlen in den Fennen, teilweise auch die Sodbrunnen mit oft brackigem oder gar schwefelhaltigem Wasser. Wichtig in Trockenzeiten waren die Tauteiche und die Wehlen hinter den Deichen.

 

Die Bodenformen der Landschaft werden kaum beachtet und gelten als selbstverständlich, dabei sind sie eine charakteristische Besonderheit der Landschaft.

 

2. Einwanderungsquellen haben den Charakter der Halbinsel geformt.

 

Deutliche Hinweise hinterlässt die Christianisierung im 11. Jahrhundert.

 

18 Kirchen auf kleinem Raum sind Beweis für eine intensive Missionierung im 11. und 12. Jahrhundert. Papst Innozenz III nennt 1198 unsere Landschaft die "Novella plantatio fidei", die neue Pflanzstätte des Glaubens; auf jeder Harde wurde eine Freistätte oder ein Asylberg gebaut, wie es im Alten Testament (Moses 5/19) vorgeschrieben war. Die kleine Insellandschaft bekam 1104 (Gründung des Erzbistums LUND in Südschweden) ein eigenes Patronatsrecht und unsere Kirchen ein Entstehungsdatum.

 

Die Religionsflüchtlinge aus den Niederlanden im 16. und 17. Jahrhundert bestimmen einen Wirtschaftswandel und machen aus Eiderstedt Klein Holland.

 

Der Deichbau, die Haubarge bestimmen das Bild der Landschaft. Die Milchwirtschaft der "Hollandere" schafft Export, der Handel mit Käse und Butter blüht, die friesische Sprache wird immer plattdeutscher. Die Eiderstedter Tracht wird von den Reichen getragen, Boßeln  wird neue Sportart, Klootspringen, Heedewecken werden die neuen Elemente der Kultur.

 

Die Fettviehgräsung im 19. Jahrhundert ist der dritte Wandel.

 

Diese Zeit bestimmt das heutige Bild von Eiderstedt: das grüne Land mit dem fetten Vieh auf den Weiden und die großen Höfe, die wie Königsburgen in der Landschaft stehen. (Vergessen wird,  dass in diesen "goldenen Jahren" die Arbeitsbevölkerung leidet und dass 820 Personen aus Armutsgründen nach Amerika auswandern.)

 

Die heutige Kraft ist der Wirtschaftliche Wandel durch den Tourismus.

 

Dieser Wandel beginnt um 1900 im Armenhaus der Landschaft (St. Peter und Ording) und hat nun auf ganz Eiderstedt übergegriffen. Dieser neue Wirtschaftszweig ist die Zukunft der Region, da er sich mit dem Naturschutz und Landschaftsschutz verbindet.

 

3. Nicht sichtbar, aber vorhanden ist das Bewusstsein einer Eigenständigkeit in Recht, Verwaltung und Individualität.

 

Trotz politischer Abhängigkeit vom dänischen König, vom Herzog in Gottorf ab 1544 und vom dänischen Staat (1713-1864) hat die Landschaft durch Geld eine Sonderform  der Verwaltung erworben, die bis 1876 vorherrschte.

 

Krone der rechten Wahrheit 1426, Beliebungen (von 1439 - 1450) in Hemminghörn, Eiderstedter Landrecht 1572 und 1595; das Spadenrecht 1585, Kirchenordnung 1542. Das sind nicht sichtbare Kulturleistungen der Landschaft.

 

 

Zusammenfassung und Aufruf

 

Eiderstedt ist eine Landschaft mit Alleinstellungscharakter durch ihre kulturhistorische Vergangenheit, die sich in ihrer Gestalt, ihrer Geschichte und ihrer Wirtschaft zeigt. Die Landschaft Eiderstedt ist in ihrer Gesamtheit ein  D e n k m a l  und ein touristisches Kleinod. Der Tourismus ist die beste Wirtschaftsform,  da sie die Landschaft schützt und in ihrer einzigartigen Form und Geschichte bewahrt.

 

Eiderstedt kann ein touristisches Kleinod werden mit

  • Tönning als Hafenstadt, 
  • St. Peter-Ording mit Strand und Dünen,
  • Tating mit der typischen Altenteiler Straße,
  • Hoyerswort als Renaissanceschloss,
  • Friedrichstadt als holländische Krönung und
  • den Schleusenhäusern wie Katingsiel,
  • den Spiekern, Verlaten, Mühlen, Hecks, Kopfweiden,
  • dem Ordinger Wald, dem Katinger Watt, den alten Katen und Reetflächen.
  • Eiderstedt ist ein ideales Gebiet für den Naturschutz, hat die Atmosphäre für die Künstler und den wertvollen Aspekt der Naturerhaltung, besonders durch die Nähe des Weltnaturerbes Wattenmeer.

Millionen Gänse und die Gäste können sich nicht irren.

 

 

W i n d a n l a g e n  würden dem kulturhistorischen Charakter der Landschaft schaden.

 

 

Claus Heitmann /AGO