Fast 100 Jahre Kinderheime

 

 

St. Peter und Ording galten lange Zeit als die Kurorte für Familien mit Kindern oder - besonders nach dem Zweiten Weltkrieg - als der Erholungsort für Kinder. Im Jahre 2008 schloss das letzte Kinderheim "Tannenblick" seine Pforten. Damit ist eine Epoche zu Ende gegangen, die ca. 100 Jahre gedauert hat.

 

Es begann mit den Kinderheimen der Vereine: "Köhlbrand" 1911, "Gorch- Fock- Hus" (heute "Windschur") und "Heimattreue" (heute "Strandhaus") gefolgt von dem Sanatorium "Goldene Schlüssel" 1913.

 

Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es zahlreiche private Kinderheime, die oft nur im Sommer geöffnet waren und von Kindergärtnerinnen geführt wurden.

 

Im März 1945 kamen die Schüler von sieben Berliner Oberschulen der Kinderlandverschickung (14,169; 18,97)[1], in der Nachkriegszeit kamen Erholungskinder der deutschen Minderheit aus Nordschleswig und die "Bunkerkinder" aus Berlin und schließlich zwischen 1953 und 1972 in Sonderzügen die "Hessenkinder". In dieser Zeit haben 44000 Kinder in St. Peter und Ording Erholung gefunden. (19,64ff)

 

Sie waren untergebracht in ca. 50 Kinderheimen und Privathäusern, die unterschiedlich lange existiert haben. Ende der 60er Jahre konzentrierten sich einige Heime auf "schwierige" Dauerkinder, aber die Kosten für den Schulbesuch beendeten diese Phase. Für die anderen Heime kam das Aus durch das Kostendämpfungsgesetz von 1977 und den "Pillenknick". 1976 gab es noch 22 Kinderheime, 1985 noch 12, 1997 nur noch 4 und 2008 schloss das letzte.

 

Die prophylaktische Gesundheitsvorsorge wurde ersetzt durch die Rehabilitation. Heute muss man erst krank werden, um in St. Peter Erholung zu finden.

 

Claus Heitmann/AGO

 

[1] 14,169 bedeutet: "Aus der Ortsgeschichte", Heft 14, Seite 169

 

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